“Transidentitäten – Psychotherapie” | Fachtagung

oebvp-fachtagung-2015_transidentitaeten-psychotherapie_01Am 31.10.2015 fand im Albert Schweizerhaus in Wien die Fachtagung

20 Jahre interdisziplinäre ExpertInnengruppe „Transidentiäten – Psychotherapie“ im ÖBVP

statt. Im Folgenden finden Sie einen kurzen Rückblick über das Programm sowie eine kleine Fotogalerie …

Die Eröffnungsreden von

DASin Elisabeth Vlasich Leitung und Koordination der interdisziplinären ExpertInnengruppe „ Transidentitäten – Psychotherapie“ im ÖBVP,

Dr.in Eva Mückstein, Abg. z. Nationalrat, Gesundheitssprecherin der Grünen,

Dr. Mag. Peter Stippel, ÖBVP Präsident und Univ. Prof. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz, Rektor der Sigmund Freud Universität

betonten alle die Wichtigkeit der seelischen Gesundheit und somit Psychotherapie, bei Wunsch und Notwendigkeit, zu ermöglichen.

Der Vortrag von Dr. Achim Wüsthof, „Behandlung transsexueller Jugendlicher in Hamburg“,

beinhaltete die Definition der Geschlechtsidentitätsstörung im Kindesalter, die Häufigkeit der GIS. 4% der Jungen und 8 % der Mädchen (im Alter von 4–11 Jahren) verhalten sich nach Angaben der Eltern wie das andere Geschlecht.

Bei nur 12 % dieser Kinder bleibt die GIS bis ins Adoleszenten- bzw. Erwachsenenalter bestehen. Häufiger hingegen ist dann eine homosexuelle Entwicklung.

Es gibt kontroverse Positionen in Deutschland bezüglich einer Hormonbehandlung transsexueller Jugendlicher. Argumente für eine späte und für eine frühe Pubertätsunterdrückung sowie Kriterien für den Beginn einer Hormonbehandlung, Supression der Pubertät/Menses und gegengeschlechtliche Hormonbehandlung wurden erläutert.

Die Möglichkeit entsprechend „früh“ Jugendlichen ihre Entscheidungs- und Erlebnisfreiheit zu gewährleisten ist recht sinnvoll.

Das Interview von Frau DASin Elisabeth Vlasich mit Frau Inge Pechoc

erlaubte den TeilnehmerInnen Anteil haben zu lassen an ihrer transidenten Entwicklung und den daraus gemachten Erfahrungen in den 60er und 70er Jahre.

Mag. Johannes Wahala moderierte die Begegnung mit den TeilnehmerInnen der Young*Trans Gruppe der Courage Wien.

Die Jugendlichen stellten sich persönlich vor und informierten über den Stand ihrer Transformation und über ihre Genderzugehörigkeit (3. Geschlecht, beide Geschlechter, …) Die Frage des Moderators „Was hat sie zu den Young*Trans gebracht und was erleben sie in der Gruppe als hilfreich?” war für die Anwesenden sehr informativ.

Die Jugendlichen haben die TeilnehmerInnen durch ihre Offenheit sehr beeindruckt.

Dr.in Sophinette Becker referierte über die „Möglichkeiten und Probleme der Psychotherapie mit transidenten PatientInnen“.

Sie erläuterte den „günstigsten“ und den „ungünstigsten“ Fall der Psychotherapie. Im „günstigsten“ Fall kann der Raum für eine Entwicklung zur Verfügung gestellt werden, innerhalb dessen transidente PatientInnen ihren spezifischen Weg finden und sich entfalten können. Im „ungünstigsten“ Fall ist die Psychotherapie eine „Auflage“, die von transidenten PatientInnen „abgesessen“ wird bzw. ein Prozess der Anpassung an das Bild des Therapeuten.

Mag.a Cornelia Kunert sprach über „Transsexuelle sind nicht krank und müssen nicht vor sich selbst geschützt werden“.

Transsexualität ist keine psychische Krankheit, sondern eine natürliche und angeborene Variante der Geschlechtlichkeit. Sowohl neurowissenschaftliche als auch differentiladiagnostische Abgrenzung zur Dissoziativen Störung sprechen deutlich dafür, weshalb hier die Bezeichnung „konstitutionelle Geschlechtsinkongruenz“ als Alternative zur Gender-Dysphorie (DSM V) vorgeschlagen wird.

Sie erläuterte Körperschema, Körperbild und Selbstmodell.

Es wurde ein niederschwelliger Zugang zur ärztlich begleiteten Hormontherapie auf Grundlage eines „informed consent“ ohne vorgeschaltete Zwangsmassnahmen gefordert.

Artikel zu dem Thema: www.psyonline.at/psychotherapeutin/12273/downloads

Mag. Johannes Wahala behandelte den Paradigmenwechsel bei der Behandlung von Geschlechtsdysphorie/Transidentitäten,

welcher vor allem durch die Standards of Care der WPATH und durch den DSM V verändert wurde.

Der ICD 11 wird die Geschlechtsinkonkruenz beinhalten und diese vor allem aus den Persönlichkeitsstörungen entfernen und eine eigene Kategorie bilden.

Die Behandlungsempfehlungen des Bundesministerium für Gesundheit wurden dargestellt.

Mag.a Monika Donner präsentierte „Heilvolle Selbsterkenntnis – wie Liebe, Natur, Zen und Psychotherapieleidvolle Normalitätssucht heilen können“

Ihre persönlichen Erfahrungen ihres Weges wurden den TeilnehmerInnen in einer sehr lebendigen Art nahegebracht.

Die Tagung war von einer Vielfalt an Individualitäten gekennzeichnet und bewegend.

DASin Elisabeth Vlasich

 

Fotogalerie


Hier das ursprüngliche Programm der Fachtagung:

Fachtagung151031_fachtagung_transidentitaeten

ReferentInnen

Dr.in Sophinette Becker
Sexualwissenschafterin und Psychotherapeutin | Frankfurt am Main

Mag.a Monika Donner
Juristin im Verteidigungsministerium, dipl. Lebensberaterin, Autorin | Wien

Mag.a Cornelia Kunert
Psychotherapeutin | Wien

Ingeborg Pechoc
Bildende Künstlerin, Musikerin

DASin Elisabeth Vlasich
Psychotherapeutin, Coach, Supervisorin | Wien

Univ. Lektor Mag. Johannes Wahala
Psychotherapeut, Sexualtherapeut, Coach, Supervisor, Theologe | Wien

Dr. med. Achim Wüsthof
Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Endokrinologe | Hamburg

 

PROGRAMM

10:00 | Eröffnung

DSAin Elisabeth Vlasich Leitung und Koordination der interdiszipinären ExpertInnengruppe “Transidentitäten – Psychotherapie”
Dr. Mag. Peter Stippl, ÖBVP- Präsident
Univ.- Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Alfred Pritz, Rektor Sigmund Freud Privatuniveristät
Dr.in Eva Mückstein, Abgeordnete zum Nationalrat, Gesundheitssprecherin der Grünen

10:40 | Behandlung transsexueller Jugendlicher in Hamburg (inkl. Diskussion)

Dr. Achim Wüsthof

12:00 | Kaffeepause

12:15 | Erfahrungen (inkl. Diskussion)

Begegnung mit TeilnehmerInnern der psychotherapeutischen Gruppe Young*Trans – Courage – Wien

13:15 | Erfahrungsbericht aus den Jahren 1960/1970

DSAin Elisabeth Vlasich führt Interview mit Frau Ingeborg Pechoc

13:45 | Mittagspause

15:15 | Möglichkeiten und Probleme der Psychotherapie mit transidenten PatientInnen (inkl. Diskussion)

Dr.in Sophinette Becker

16:35 | Kaffeepause

17:00 | Transsexuelle sind nicht krank und müssen nicht vor sich selbst geschützt werden

Mag.a Cornelia Kunert

17:20 | Paradigmenwechsel bei der Behandlung von Geschlechtsdysphorien/Transidentitäten (inkl. Diskussion)

Mag. Johannes Wahala

17:40 | Heilvolle Selbsterkenntnis – wie Liebe, Natur, Zen und Psychotherapieleidvolle Normalitätssucht heilen können (inkl. Diskussion)

Persönliche Erfahrungen und die große Chance, die gelebte Individualität für Mensch und Gesellschaft bietet.
Mag.a Monika Donner


 

Samstag, 31. Oktober 2015

Albert Schweitzerhaus
1090 Wien, Garnisongasse 14–16

Den Veranstaltungsfolder mit den Anmeldeinformationen finden Sie hier >>>

Hier gehts zur Veranstaltung auf der WebSeite des ÖBVP >>>